Schon mal bei den Solderin' Skaters vorbeigeschaut?
Wed, 18 Apr 2007
Wunderbare Musik
Am Donnerstag spielen Kids on TV und Ill Ease im AZ Mülheim. Für lediglich vier Euro kommt ihr ab 19 Uhr ins AZ. Die Show wird rocken, wer mehr wissen will, liest die Beschreibung auf der Genderterror-Website.
Am Freitag findet ab 20 Uhr ein weiteres Event für die musikalischen Kenner statt. Ich zitiere mal die Rundmail der Barrikade Moers, wo der ganze Spaß sich abspielt.
Elektromusik live in der Barrikade mit
Stockholm (Bielefeld) und ciao! bird (Mülheim)
ciao! bird sind alle zusammen addiert zwei.
sisto und peter. sisto bastelt gerne mit holz, kondensatoren
und naturbelassenen platinen. peter mag stifte und papier.
es gibt wilde zeiten aber auch ruhige. dienstag ist die
nächste probe in sistos kinderzimmer. alles improvisiert.
alles möglich. so wie's kommt. also straighter punk, kantige
berge und ausgedehnte launen. sisto hat etwas dunklere
haare als peter. zusammen sind sie prima. inklusive
bünenbild.
http://soundeinz.wordpress.com/
http://www.myspace.com/ciaobird
Stockholm ist Elektro-Pop aus Bielefeld.
Ein One-Person-Project mit Computer-Sounds aus der Konserve,
Gesang und einer live angeschlagenen Gitarre. Manchmal live
schön laut, kanns aber auch leise. Die Texte sind what pop
is all about: Liebe und danach, verlassen sein und werden
und wie's trotzdem weiter geht.
http://www.netz-kasten.de/stockholm/
http://www.myspace.com/stockholmelectron
Eintritt 3 Euro
Und zu guter letzt, das neue Album von Lesbians on Ecstasy ist raus: We Know You Know. Leider hatte ich noch keine Gelegenheit reinzuhören, sprich ich muss wohl warten, bis die Lezzies wieder auf Tour sind, um mir die LP zu kaufen...
Mon, 05 Mar 2007
Kommandozeilen-Tango: Netcat fordert Tar zum Tanz auf
Ich bin ja auch ein Freund von Klickibunti-Software, aber die guten, alten
Kommandozeilen-Tools sind auch nicht zu verachten. Am Wochenende stand ich vor
dem Problem ca. 20 GB von einem Laptop zum nächsten zu befördern. Erst
versuchte ich es mittels SMB. Auf der einen Seite der Leitung ein Mac OS X, auf
der anderen ein Ubuntu Edgy mt GNOME, welche direkt miteinander verbunden
waren. Die Transferrate betrug dabei jämmerliche 2,5 MB/s. Mir dauerte das aber
deutlich zu lang. Glücklicherweise hatte ich mal von einem Freund das kleine,
schicke Tool "netcat" gezeigt bekommen. Im folgenden möchte ich eine
kleine, möglichst verständliche Anleitung geben, ohne wirklich alle
Möglichkeiten von netcat aufzuzeigen. Der Text richtet sich an Interessierte,
die keine (prinzipielle) Scheu vor der Kommandozeile haben, aber auch keine
Geeks sind, also Leute wie Du und ich.
Netcat, oder kurz "nc", ist das Schweizer Taschenmesser für TCP/IP und sollte jedem halbwegs brauchbaren Unix (also auch Mac OS X und GNU/Linux) beiliegen. Es liest Daten aus der Standard-Eingabe (siehe dazu Wikipedia) und schickt sie an einen angegebenen Port auf einem angegebenen Netzwerk-Rechner.
mein.computer.org $ netcat irgendein.computer.net 1234 -q 1 <
eine_datei.txt
- netcat
-
Klar, das Programm selber. Ich schreibe hier
netcataus, auf manchen System ist es aber nur alsnczu finden. - irgendein.computer.net
- Der Hostname des Computers. Mensch kann auch die IP verwenden.
- 1234
- Der Port des Rechners. Dieser ist frei wählbar, darf aber nicht anderweitig belegt sein. Für Ports unter 1024 braucht mensch aber root-Rechte.
- -q 1
-
Die Option
-qveranlasst netcat sich nach einem End-of-File sich zu Beenden. Dabei muss dieser Option ein Wert mitgegeben werden, nach wie viel Sekunden dies der Fall sein soll. In diesem Beispiel nach einer Sekunde. - <
-
Besagt, dass die nachfolgende Datei in die Standard-Eingabe
geleitet wird. Ich finde zwar
"cat eine_datei.txt | netcat..."intuitiver und bildlicher, aber bevor ich von Johl wegen einem useless use of cat gebasht werde ..., hihi. - eine_datei.txt
- ... ist eine beliebige Datei. Dabei ist es egal, um was für Art von Datei es sich handelt.
Das war aber nur die halbe Miete. Auf der anderen Seite muss auch noch jemand diesen Datensstrom annehmen. Es muss sich dabei nicht zwangsläufig um netcat handeln, aber es ist das Naheliegende.
irgendein.computer.net $ netcat -l -p 1234 > eine_datei.txt
- -l
- Anstatt Daten zu senden lauscht es auf eingehende Verbindungen.
- -p 1234
- Hiermit geben wir an, dass netcat auf Port 1234 lauschen soll. Es muss natürlich der gleiche sein, wie jener der bei der ausgehenden Verbindung benutzt wird. Ports sind so wie Kanäle. Wenn ihr auf dem Funkgerät auf Kanal 1 spricht und die Gegenseite auf Kanal 2 lauscht wird das nix mit der Kommunikation.
- > eine_datei.txt
-
Damit leitet mensch die Standard-Ausgabe in eine Datei um. Also
alles was bei netcat hinten rauskommt, wird in die Datei
"eine_datei.txt"geschrieben. Der Dateiname kann völlig frei gewählt werden. Es hätte auch hier"irgendwas.txt"stehen können.
Die Empfänger-Seite muss übrigens als erstes gestartet werden. Sonst bekommt ihr den Fehler "Connection refused". Ich fand es aber verständlicher, erst das Senden und dann das Empfangen zu erklären.
Netcat kopiert also Daten über das Netzwerk. Dabei ist es sehr schnell, aber auch sehr minimalistisch. Eigentlich kopiert es nur Datenströme. Die Daten an Netcat zu verfüttern und auf der anderen Seite wieder auseinander zu sortieren und in Dateien zu speichern ist Euer Job.
Das oben genannte Beispiel ist für das Kopieren einer einzelnen Datei schon ganz brauchbar. Wie sieht es nun mit ganzen Verzeichnissen aus? Dazu nutzen wir den guten, alten Klassiker "tar". Es kommt noch aus Zeiten der Bandlaufwerke und steht für "tape archiver (Bandarchivierer)". Wir nutzen tar um ein Verzeichnis zu packen, also in eine einzelne handliche Datei zu schreiben. Aber wir schreiben die Datei nicht auf die Festplatte, sondern gleich in die Standard-Ausgabe, wo netcat schon drauf wartet.
mein.computer.org $ tar c Meine_Dateien/ | netcat
irgendein.computer.net 1234 -q 1
Das unscheinbare c steht für create. Auf der anderen Seite nehmen wir
das Päckchen mit netcat an und reichen sie an tar weiter. Tar entpackt die
Dateien umgehend.
irgendein.computer.net $ netcat -l -p 1234 | tar xv
Hier steht x für extract und v für verbose. Letztere
steht für ausführlichere Ausgaben, was tar eigentlich macht. So seht ihr, wie
die Dateien entpackt werden. Das macht aber den ganzen Geschwindigkeitsvorteil
zugrunde, daher begnügt Euch mit "... | tar x".
Noch ein letztes Wort zu netcats Minimalismus. Da es so schlicht ist, kennt es selbstverstädlich auch keine Verschlüßelung oder ähnlichen schnickschnack. Daher solltet ihr es auch nur in sicheren, also eigenen Netzen mit ausschließlich vertrauenswürdigen TeilnehmerInnen benutzen, oder für Daten die sowieso öffentlich sind (etwa Filme, Musik usw.).
Und wer mal wissen will, wie schnell Netcat ist, hier einige Vergleichswerte:
| 100MB Zip | 52MB Ogg, m3u | 69MB /usr/share/doc | |
|---|---|---|---|
| netcat | 22s | 19s | 44s |
| scp | 48s | 36s / 32s* | 1m11s / 40s** |
| rsync | 50s | 32s | 2m9s |
| http | 22s | - | - |
* mit Kompression (scp -C)
** mit Hilfe von tar
Tue, 13 Feb 2007
Filmschau Nachtrag: Die tödliche Maria
Am Wochenende war ich endlich die Stimmung dieses Frühwerk von Tom Tykwer anzusehen. Welch eine Schande, dass ich diesen Film erst so spät entdeckte. Es gibt wirklich einige deutliche stilistische und symbolische Paralellen zu "Lola rennt" und sogar eine witzige Exaktheit (verrate ich natürlich nicht). Drei großartige SchauspielerInnen schmücken den Film: Joachim Król, Katja Studt und Nina Petri (aber auch Juliane Heinmann spielt die junge Maria toll). Der Film hat teilweise was Sureales, dass mich ein Hauch an "Naked Lunch" (ganz wenig nur, bitte nun keine falschen Erwartungen) erinnerte.
Der Film handelt von Maria, welche eigentlich immer in einer eingeengten Wohnung mit Ihrem Vater lebte und später eben dort zusätzlich noch mit ihrem späteren Ehemann. Mit diesem wurde Maria durch ihren Vater "verkuppelt" oder besser gesagt genötigt ihn zu heiraten. Dieser Gatte ist ein großes Arschloch und auch dem Vater kann trotz seiner durch einen Schlaganfall bedingten Bettlägrigkeit kaum Mitleid, geschweige denn Sympathie, zugestanden werden. Der Film handelt von emotionaler Abhängigkeit, Ausnutzung dieser Abhängigkeit bis zum äußersten, aber auch der Umgang, die tägliche Verarbeitung und der langsame, kleine, versteckte Widerstand, bis hin zum Aufwachen aus diesem Alptraum.
Maria hat einen Leben nach der Uhr. Morgens um Viertel nach sechs steht Frühstück und Kaffee für Ihren Mann bereit, bei seiner Heimkehr erwartet dieser ein warmes Essen. In der Zwischenzeit nervt ihr Vater, den sie trotz allem fürsorglich pflegt und er nur Undankbarkeit übrig hat. Ihre spärliche Freiheit besteht im Schreiben von Briefen, welche sie aber nur hinter die Kommode einwirft. Natürlich ist das nur der Ausgangspunkt und der Film beschreibt den Ausbruch aus dieser Enge. Auch spielt der Nachbar von Gegenüber eine Rolle, zudem sie anfänglich nur Blickkontakt hat.
Über Marias Geschichte erfährt mensch nur langsam etwas. In Rückblenden erlangen nicht nur die Zuschauer Informationen, was eigentlich passiert ist. Was die Nähe schafft ist nicht nur diese Frage, nach dem wie, sondern wie Marias Biografie und Lebenslage präsentiert wird. Der Film ist voller Zeichen, was bei Tykwer ja nicht verwunderlich ist. Der Klang, also die Geräuschkulisse, die Farben, das Licht, Schnitte, Kamerafahrten und viele kleine Details werden so auf äußerste eingesetzt und schaffen eine unheimlich packende Atmosphäre, welche, wie bereits angedeutet, gar ins Surreale abtaucht.
Mon, 12 Feb 2007
Why Men Don’t Talk About Their Penises
Heute habe ich es nach langer Zeit endlich mal wieder in die Barrikade nach Moers geschafft. Grund war die Vorführung des Filmes "Why Men Don’t Talk About Their Penises" mit anschließender Diskussion. In dem Film sprechen unterschiedlichste Personen, meist Männer, über Penisse. Aus der Einladung:
Eine kleine Doku über Männer* und ihre Penisse mit Männern*, Männern*, die vorher Frauen* waren und Frauen*, die vorher Männer* waren, mit nackten Männern, mit angezogenen Männern, mit Männern, die ihren Penis zeigen, und Männern, die ihren Penis verstecken, und Männern, bei denen man sich nicht sicher ist, ob sie einen Penis haben.
*das ist rein organisch gemeint
Der Film besteht fast ausschließlich aus Interviews, manchmal erklärt ein "Wissenschaftler" etwas zur Sprache und Wortwahl und kleine Clips die das ganze abrunden und zwischen den Themen überleiten. Die Fragen beschäftigen sich mit Aufwachsen, Beziehung zum Penis, Masturbation, Sex, Größe, Potenz, Krankheiten und Aufklärung (an mehr erinnere ich mich nicht). Beantwortet werden diese Fragen von drei Kumpels aus einer Studentenverbindung, zwei Brüdern, einem Pornodarsteller, von Leuten mit großen Penis und solchen mit sehr kleinem, einem Querschnittsgelähmte, Jungen und Alten, einer Frau, die mal ein Mann war und ein Mann der mal eine Frau war, Potenten und Impotenten. Außer die Dreier-Gruppen und den Brüdern sind alle alleine. Manchmal angezogen, manchmal nackt in ganz unterschiedlichen Posen. Einige zeigen Ihren Penis, andere nicht.
Leider beantwortet der Film die eigentliche Frage nicht: Warum reden Männer nicht über Ihren Penis? Denn das haben sie doch ununterbrochen gemacht. In der darauf folgenden Diskussion kamen uns folgende Gedanken, Schlussfolgerungen, Ansichten etc. auf: Männer reden schon viel über Ihren Penis, aber nur oberflächlich, witzelnd, prahlend und selten ernsthaft. Über Sexualität und Geschlechtsteile wird an sich wenig gesprochen. Zwar ist in der Öffentlichkeit mehr Nacktheit, Sex, Sexismus whatever präsent, aber dieser ist sehr normativ, idealisiert. Es wird nicht darüber gesprochen, aus Angst anders zu sein, nicht der Norm zu entsprechen, nicht Leistungsfähig zu sein, aus Scham oder aus Vorsicht/Rücksicht vor dem Schamgefühl der anderen.
Als weitere Schwäche des Filmes, wurde das größtenteils fehlende Aufbrechen üblicher Denkweisen, Sexualitätsnormen etc. gesehen. Zwar gab es vereinzelt Relativierungen oder andere Sichtweisen, aber viele der Interview-Partner antworteten doch sehr typisch bzw. machohaft. Auch der durch die Einladung erwartete Transgender/Gender dekonstruirende Ansatz wurde sehr vermisst. In dem Zuge kam es noch zu einer längeren Diskussion zum Thema Gender, Geschlechtsunterschiede, Kategoriendenken. Während die einen das Denken in den binären Kategorien männlich/weiblich ablehnten, verwiesen andere auf vorhandene Unterschiede. Hier hatte ich aber das Gefühl, dass beide Seiten etwas aneinander vorbeiredeten. Denn letztere Gruppe sah in der Unterschieden natürlich keine Wertigkeit und auch nicht als relevant für irgendwelche Schlussfolgerungen. Die erste Gruppe wiederum wollte gar nicht Unterschiede verleugnen, sondern auf den fließenden Übergang und die vermutete soziale Bedingtheit der Unterschiede aufmerksam machen. Vor allem das Ablehnen der harten, als willkürlich empfundenen Einteilung in eine der beiden Kategorien. Am Ende kam mensch aber doch wieder halbwegs auf einen Nenner, da der Konsens (aus meiner Sicht) mit Menschen sind halt unterschiedlich, und Geschlecht ist nur eine von vielen und nicht der Unterschied schlechthin, es gäbe eben auch Zwischenstufen, sowie "typisches" Verhalten sei weitestgehend gelernt. Auch wurde darauf hingewiesen, dass es biologisch gesehen nicht mal Eindeutig sei, was aber gerne unterschlagen wird. So gäbe es zum neben den klassischen genetischen Konstellation (SRY-Gen im 23. Chromosomenpaar) XX (weiblich) und XY (männlich) auch XXY, sowie Menschen mit mehreren Geschlechtern (Ergänzung: Auch ohne eindeutiges Geschlecht oder umgekehrten Geschlechtern im Bezug auf ihr chromosomales Geschlecht).
In etwas kleinerer Runde kamen wir noch auf persönliche Erfahrungen mit
Aufklärung, eigene Pubertät, ersten Sex und selbstverständlich/sogar auf das
scheinbar ganz heikle Thema wie wichtig die Größe ist oder auch nicht, sowohl
für die (anwesenden) Männer und Frauen (siehe * oben). Aufgrund des erwähnten
erwähnten gesellschaftlichen Einflusses und normativen Druckes werde ich die
ganz interessanten Punkte hier leider nicht ausführen
.
Sat, 10 Feb 2007
Kleine Filmschau
In letzter Zeit habe ich doch einige Filme geschaut. Sozusagen als Movie-Sampler will ich diese doch recht unterschiedlichen Filme hier vorstellen.
- Brokeback Mountain
-
Sicherlich haben einige von Euch von diesem "schwulen
Cowboy-Film" gehört. Der Film ist wirklich sehr toll. Zwei junge
Männer kommen sich in den sechzigern beim einsamen Hüten von Schafen auf
dem "Brokeback Mountain" näher. Interessant macht den Film zum einen die
leichte Distanz, mit der die Geschichte gezeigt wird. Mich nahm der
Film dadurch noch mehr mit. Sowie die interessanten und gar nicht
Klischee-belasteten Charaktere. Ganz toll finde ich die Rolle des Ennis
del Mar. Außerdem über welchen Zeitraum sich der Film zieht, aber gar
nicht diese "epochale Schwere" hat. Schlaueres zum Film
schreibt unter anderem Sammelsurium.
Richtig überrascht war ich, als ich schaute, was Regisseur Ang Lee noch für Filme gedreht hatte. Da war zum einen einer meiner Lieblingsfilme "Crouching Tiger, Hidden Dragon" und auf der anderen Seite "Hulk". - Hulk
- Als Hulk in die Kinos kam, war ich alles andere als scharf darauf, den dort zu sehen. Solche Superhelden-Filme sind doch nur Geld und Zeitverschwendung. Jetzt ärgere ich mich, dass ich Hulk auf der Grossleinwand verpasste. Die Bilder und Schnitte beeindrucken, das Intro ist sehr packend und schön. Aus der Geschichte wird das beste rausgeholt, auch wenn die Charaktere natürlich nicht solch eine Tiefe haben wie etwa in Brokeback Mountain. Aber gängige Stereotype und Nervereien von Hollywood-Filmen werden weitestgehend umschifft. So wird auch eine hübsche Frau (Dr. Betty Ross) Hulk respektive Bruce Banner zur Seite gestellt, aber sie müssen nicht am Ende zu einer Beziehung kommen, sondern haben diese bereits hinter sich und verarbeiten sie im Laufe der Handlung.
- Lola rennt
- Beim Kaufen eines Milschschaum-Mixers in der Ramschkiste des Elektromarktes die DVD für drei Euro entdeckt. Das ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Nach Jahren schaute ich das erste Mal wieder den Film und war trotzdem überrascht, wie sehr mich der Film trotz seiner Schlichtheit packt. Und es gibt immer wieder etwas neues zu entdecken, etwa die Plakate mit Kamikaze-Schema (aka alte japanische Flagge) beim ersten oder zweiten Lauf, während beim Dritten dort was anderes zu sehen ist. Ich liebe diesen Film einfach und die Rolle der Lola, gespielt durch die grandiose Franka Potente. Und Tykwer.
- Nach Fünf im Urwald
- Ich brauchte einige Zeit, um Lola und Franka Potente auseinander zuhalten. Der Krieger und die Kaiserin half mir dabei. Nun war nach dem "Lola rennt"-Revival für mich längst überfällig Nach Fünf im Urwald zu sehen. Davon kannte ich bisher leider nur den Anfang. Ich war doch recht überrascht und hatte mir die Story wesentlich simpler und eindimensionaler vorgestellt. Welche Bewegung die unterschiedlichen Charaktere machen, wie Anna sich naiv durch den Münchner Stadtdschungel kämpft, die witzigen Beobachtungen ihrer kleinen Schwester und einen Haufen toller Schauspieler, vor allem Axel Milberg als Annas Vater und Karriere-Politiker, durch das Ausbüchsen seiner Tochter aus der Bahn geworfen wird. Die Vielschichtigkeit der Rollen macht das ganze so angenehm.
- Snow Cake
- Hier ein weiterer Schauspiel-Schwarm meinerseits: Sigourney Weaver. Diesen Film verpasste ich leider im Kino, obwohl ich danach Auschau hielt. Das ist halt so ein Kreuz mit den Arthouse-Filmen. Wieder eine ungewöhnliche und vielseitige Geschichte mit spannenden Charakteren. Ganz toll auch Alan Rickmann und Carrie-Anne Moss, welche wesentlich mehr kann als Trinity sich in Lack und Leder durch die Luft zu schwingen (siehe auch "Memento"). Sigourney Weaver spielt eine autistische Mutter und in Alan Rickman jemanden, der sich bei Ihr entschuldigen will. Dabei hat er selber noch so einiges auf dem Kerbholz. Mehr will ich nicht verraten.
- Mystic River
- So langsam hat sich der Film zu einem meiner Lieblinge hochgeschlichen. Wann immer gemeinsam ein Film geschaut werden sollte, schlug ich dieses Werk von Clint Eastwood vor. Drei Jugendfreunde treffen unzähligen Jahren wieder aufeinander. Kevin Bacon als ermittelnder Polizist, Sean Penn als Vater der jungen Toten und Tim Robbins als Verdächtigen, welcher als Kind selber Missbrauchs-Opfer war. Wieder eine komplexe Geschichte mit interessanten Wendungen. Tolle Atmospäre, gute Filmmusik, tragische Szenen. Wer Clint Eastwood nur als "Dirty Harry" kennt, tut ihm und vor allem seiner Regie-Arbeit unrecht. Sehr viele Zwischentöne und ein deutliches Statement (zumindest als solches von mir interpretiert) gegen Selbstjustiz. Ach ja, schon wieder ein Matrix-Darsteller: Laurence Fishburne als Polizei-Partner von Kevin Bacon.
- Little Miss Sunshine
- An diesem Film kann ich mich nicht satt sehen. Ein siebenjähriges Mädchen, welches nicht gerade den Schönheitsnormen entspricht, schaft es zum Schönheitswettbewerb "Little Miss Sunshine". Somit macht sich die ganze Familie mit ihrem ollen VW-Bulli von New Mexico nach Kalifornien auf. Ein wirklich schrulliges Road-Movie mit hervoragendem Schauspieler- und Rollen-Ensemble. Etwa der Opa, welcher aufgrund seines Heroin-Konsumes aus dem Altenheim geflogen ist, der Bruder der Mutter, welcher als gescheiterter Proust-Gelehrter gerade einen Selbstmord-Versuch hinter sich hat, oder den Vater mit seinem "In Neun Schritten zum Gewinner"-Programm, welcher in seiner Erfolglosigkeit zwanghaft an sein eigenes Programm glaubt. Selbstverständlich bleiben die Figuren hier nicht stehen und unheimlich vieles passiert während ihrer Fahrt. Ein Film über Erfolgsdruck, Anpassung und Selbstwert. Dieser Film ist anspruchsvoll ohne anstrengend zu sein, ein vorbildhafte Tragikkomödie mit unendlich schönen Bildern und Landschaften. Dieser Streifen ist absolut sehenswert, da er in allen Details gelungen ist. Ohne Übertreibung habe ich diesen Film in den letzten vier Wochen acht Mal gesehen, teilweise jeweils mehrere Tage hintereinander. Löst wohl Mystic River in der "high rotation" ab.
- Shortbus
- "Shortbus ist ein sehr expliziter Liebesfilm von John Cameron Mitchell aus dem Jahr 2006." meint die Wikipedia dazu. Unter explizit wird das Zeigen echter Sexszenen verstanden und davon gibt es etliche inklusive einiger Orgien. Doch werden die Personen nicht hinter dem Sex versteckt oder nur eine Geschichte gestrickt, um die Sexszenen miteinander zu verknüpfen. Es ist tatsächlich ein Liebesfilm, im dem der Sex "lediglich" nicht versteckt wird und ein Teil der Geschichte und des Leben der Charaktere ist. Auch wenn das queere Umfeld sehr freaky (im positiven Sinne, aber doch auch als etwas für einen/mich Fremdes) erscheint, wirkt es nicht aufgesetzt. Schnell geraten die Probleme und Gefühle der Protagonisten in den Vordergrund. Der Film erfüllt das, was ich mir von 9 Songs erhofft hatte und wo ich bitter enttäuscht wurde: Ein Liebesfilm, der den Sex nicht versteckt oder verklärt. Dazu ist dieser noch so leichtfüßig queer, also nicht fest im Paradigma von Heterosexualität oder fixen sexuellen Kategorien. Beim zweiten Schauen boten sich viele Details und die Musik und Szenenbilder lassen einen die Tragik wie auch das Bewältigen der Probleme spüren. Es gibt einige Szenen, wo sich zwei Personen einfach nur anschauen und es einen relativ langsamen Schnitt zwischen den jeweiligen Gegenübern gibt. Dazu eine melancholische Musik und mensch möchte einfach dahinschmelzen vor diesem eindringlichen zwischenmenschlichen Kontakt.
Ich kann Euch diese Filme wirklich ans Herz legen. Geschaut habe ich auch "The Departed" (nett, aber auch nicht mehr), "Das Leben der anderen" (Warum hat der sich nur gegen "Volver" durchsetzen können? War aber trotzdem nett), "Fucking Amal" (sehr schön und hätte eigentlich auch einen Absatz verdient), "The Ice Storm" (auch von Ang Lee, habe ich aber sprachlich nicht ganz verstanden, evtl. nochmal mit deutschen Untertiteln schauen), "Bull Durham" (wollte wissen, was Kevin Costner und Tim Robbins früher so gemacht haben). Viel Spaß mit dem einen oder anderen Film.
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